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Rechtsextremismus
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Rechtsextremismus (auch die extreme Rechte, die äuĂerste Rechte oder die Ultrarechte) bezeichnet verschiedene extremistische StrĂśmungen innerhalb der politischen Rechten. Der Begriff umfasst ultranationalistische, faschistische, neonazistische oder neofaschistische politische Ideologien und Aktivitäten.
Rechtsextremisten orientieren sich an einer ethnischen ZugehĂśrigkeit, bestreiten und bekämpfen einen Anspruch auf soziale und rechtliche Gleichheit und vertreten ein antipluralistisches, antidemokratisches und autoritäres Gesellschaftsverständnis. Politisch wollen sie den Nationalstaat zu einer autoritär gefĂźhrten âVolksgemeinschaftâ umgestalten. âVolkâ und âNationâ werden dabei rassistisch oder ethnopluralistisch definiert.
Kennzeichen solcher Konzepte, insbesondere in Europa, sind verschiedene rechtsextreme Symbole und Zeichen, Geschichtsrevisionismus hinsichtlich bestimmter Epochen, etwa zum italienischen Faschismus und zur Zeit des Nationalsozialismus, Fremdenfeindlichkeit bis hin zum Fremdenhass, antiamerikanische und/oder andere VerschwĂśrungstheorien. Bei organisierten rechtsextremen Gewalttaten spricht man von Rechtsterrorismus.
Nationale StaatsbehĂśrden definieren und behandeln Rechtsextremismus verschieden. GegenmaĂnahmen umfassen zivile und strafrechtliche Mittel der streitbaren Demokratie (â Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland, Rechtsextremismus in Ăsterreich, Rechtsextremismus in der Schweiz).
Contents
⢠Begriff
⢠Hauptmerkmale
⢠Ethnizismus
⢠Antipluralismus
⢠Autoritarismus
⢠Musik
⢠Neopaganismus
⢠Naziskins
⢠Medien
⢠Länderberichte
⢠Deutschland
⢠Frankreich
⢠GroĂbritannien
⢠Italien
⢠Niederlande
⢠Polen
⢠Russland
⢠Schweden
⢠Spanien
⢠Ungarn
⢠Europa
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Begriff
Der Begriff enthält eine inhaltliche â politisch ârechtsâ stehend â und eine formale Komponente â Extremismus. Beide Bestandteile sind nicht eindeutig und unterliegen der Kritik. Die auf die Sitzordnung in der FranzĂśsischen Nationalversammlung von 1789 zurĂźckgehende Einteilung des politischen Spektrums nach ârechtsâ und âlinksâ bezieht sich auf eine unbestimmte âMitteâ der Gesellschaft, die historisch stark schwankend definiert wurde. Positionen, die vor 1945 mehrheitsfähig waren und als gemäĂigt galten, etwa der Vertragsrevisionismus in der Weimarer Republik, gelten heute als rechtsextrem.
Zudem bewertet der Begriff etwas als âextrem(istisch)â und definiert so indirekt die politische âMitteâ als vom âäuĂeren Randâ her gefährdete Normalität. Dies diente meist dazu, die bestehende Ordnung gegen so definierte Theorien, Personen, Gruppen und ihre Politik zu verteidigen. Daher bezeichnen als rechtsextrem Eingestufte sich selbst kaum mit diesem Begriff, sondern heute meist als âkonservativâ, ârechtskonservativâ oder ânationalâ. Dadurch wird die Abgrenzung vom verfassungsgemäĂen demokratischen Konservatismus und Patriotismus, die der unscharfe Begriff âRechtsextremismusâ leisten soll, erschwert. Die entsprechende Abgrenzung vollziehen Politologen, Soziologen und VerfassungsschĂźtzer mittels näherer inhaltlicher Abgrenzungen, die der Ăźberkommene Begriff an sich nicht enthält.rechtsradikalismus
Umgangssprachlich werden die Begriffe âRechtsextremismusâ und âRechtsradikalismusâ oft gleichgesetzt oder nicht scharf voneinander abgegrenzt.cite-ref-1[1] Brigitte Bailer-Galanda vom Dokumentationsarchiv des Ăśsterreichischen Widerstandes kritisierte 2008:cite-ref-2[2]
âLeider findet sich auch in der wissenschaftlichen Fachliteratur die gleichzeitige und offensichtlich synonym verstandene Anwendung zumindest der Begriffe Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus, wodurch selbst bei Interessierten begriffliche Verwirrung ausgelĂśst und gefĂśrdert wird.â
Die Vossische Zeitung benannte 1924 als rechtsradikal âalle die Gruppen, BĂźnde und Vereinigungen, die sich teils vĂślkisch, teils deutschsozial, teils groĂdeutsch, teils nationalsozialistisch nennen [âŚ].âcite-ref-3[3]
Seit den 1970er Jahren verwendet der deutsche Verfassungsschutz den Begriff âRechtsextremismusâ fĂźr verfassungsfeindliche, gegen die Freiheitliche demokratische Grundordnung (FDGO) gerichtete Inhalte und Aktivitäten, den Begriff âRechtsradikalismusâ dagegen fĂźr politische Ziele im demokratischen Spektrum, die als Ausdruck legitimer Radikalkritik an einer bestehenden Gesellschaftsordnung verstanden werden.cite-ref-4[4]
Die Definition beider Begriffe ist (Stand 2008) in der Wissenschaft umstritten und wird durch ihre historisch uneinheitliche Verwendung erschwert. Der Vorschlag einiger Autoren, âdas Attribut extremistisch fĂźr die Beobachtungsgegenstände der VerfassungsschutzbehĂśrden zu reservieren und die Bezeichnung Radikalismus fĂźr das wesentlich breitere sozialwissenschaftliche Betätigungsfeld zu verwendenâ, konnte sich bislang nicht durchsetzen.cite-ref-5[5]
Neben dem Begriff Rechtsextremismus haben sich im Laufe der Zeit auch die Bezeichnungen die äuĂerste Rechte (bzw. rechtsauĂen) und die Ultrarechte (bzw. ultrarechts) in der Forschung etabliert, die synonym zu rechtsextrem verwendet werden.cite-ref-6[6] Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer schlug 2018 den Begriff des âautoritären Nationalradikalismusâ vor, da die korrespondierenden Phänomene Rechtspopulismus und Rechtsextremismus darauf abzielen, Institutionen zu destabilisieren, die wichtig fĂźr die Gesellschaft seien.cite-ref-7[7]
Hauptmerkmale
Rechtsextremismus ist eine Sammelbezeichnung fĂźr Ideologien, deren gemeinsamer Kern die Ăberbewertung der ethnischen ZugehĂśrigkeit, die Infragestellung der Gleichheit aller Menschen sowie ein antipluralistisches und autoritär geprägtes Gesellschaftsverständnis ist.cite-ref-8[8] Die Verwendung von VerschwĂśrungstheorien kann eine rationale Analyse gesellschaftlicher Missstände ersetzen. Dies dient sowohl der Entlastung als auch der Integration rechtsextremer Gruppen.cite-ref-bailer-galanda-9-0[9] Zudem werden VerschwĂśrungstheorien herangezogen, um historische AnknĂźpfungspunkte an den Faschismus und Nationalsozialismus zu schaffen (â Geschichtsrevisionismus). Häufig Verwendung findet die Behauptung einer âVerschwĂśrung des Weltjudentumsâ oder das AnknĂźpfen an verschwĂśrungstheoretische Elemente des Antiamerikanismus.cite-ref-10[10]
Zu den strukturellen Merkmalen des Rechtsextremismus zählen Dogmatismus, Sendungsbewusstsein und ein ausgeprägtes Schwarz-WeiĂ-Denken.cite-ref-11[11] Im politischen Stil lässt sich eine Gewaltlatenz und Gewaltakzeptanz erkennen, die ihren Ausdruck vor allem in verbalen Angriffen auf politische Gegner und Andersdenkende findet.cite-ref-bailer-galanda-9-1[9]
Ethnizismus
Rechtsextremisten betonen bei allen sonstigen Unterschieden eine naturgegebene ZugehĂśrigkeit von Menschengruppen zu einem als Ethnie (Abstammungseinheit) oder Rasse verstandenen Volk oder einer Nation. Die Menschen seien durch biologische Abstammung sowie kulturell so stark vorgeprägt, dass kein friedliches, gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Zusammenleben verschiedener Ethnien in einem Staat mĂśglich sei. Die Gesellschaft mĂźsse daher zu einem homogenen âVolkskĂśrperâ vereinheitlicht werden. Damit gehen ĂźberhĂśhter Nationalismuscite-ref-12[12] und oft auch Rassismuscite-ref-13[13] einher, also die ĂberhĂśhung des eigenen Volkes gegenĂźber anderen Ethnien und Nationen. Zur Rechtfertigung wird bis heute auf Rassentheorien verwiesen, die rassistischen Argumentationen eine scheinbare wissenschaftliche Erklärungsgrundlage liefern sollen.
Deren Gestalt kann variieren und wird meist nur vage umrissen. Das âVolkâ wird nicht immer eindeutig ârassischâ definiert, sondern oft mit einem Ethnopluralismus umschrieben, der die Eigenarten der VĂślker betont, um die eigene Abstammungseinheit von anderen VĂślkern und ethnischen Minderheiten abzugrenzen und Konzepte eines Multikulturalismus abzuwehren.cite-ref-bailer-galanda-9-2[9] Statt der HĂśherwertigkeit der eigenen Nation betont dieses Konzept teilweise eine HĂśherwertigkeit der eigenen Kultur und leitet daraus einen Anspruch auf Vorherrschaft ab. Im älteren Sozialdarwinismus wird dagegen ein Zwang zur nationalen Selbstbehauptung nach innen wie auĂen postuliert.
Ungleichheit der Menschen
Rechtsextremisten begrßnden einen minderen Wert und Rechtsstatus bestimmter Individuen und Gruppen durch ethnische, kulturelle, geistige und biologische Unterschiede.cite-ref-14[14] Daraus folgen zwangsläufig Freund-Feind-Haltungen und Intoleranz gegenßber Menschen anderer Herkunft und Prägung. Fremden- und Ausländerfeindlichkeit gehen ineinander ßber; abgelehnt werden meist nicht alle Ausländer, sondern ganz bestimmte ethnisch, rassisch und/oder kulturell als fremd erscheinende Gruppen, die von der eigenen, meist nicht genauer definierbaren Norm abweichen. Es wird zwischen positiv eingeschätzten (willkommenen) und negativ eingeschätzten (unwillkommenen) Ausländern unterschieden und die aktive Ausgrenzung der zweiten Gruppe betrieben.
Antipluralismus
Rechtsextremisten sehen keine MĂśglichkeit einer friedlichen Koexistenz unterschiedlicher Interessen und Ansichten in einem Staat. Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten werden als schädlich fĂźr die Gemeinschaft angesehen. Die Ursache von gesellschaftlichen Konflikten wird in der Ungleichheit der Menschen gesehen. Deswegen sollen pluralistische politische Institutionen durch autoritäre ersetzt werden. Der Rechtsstaat wird als eine die Volksgemeinschaft âzersetzendeâ Institution angesehen und seine Grundlagen, wie der Parlamentarismus, eine demokratische Opposition und die Gewährung von gleichen Grundrechten, delegitimiert und/oder bekämpft.cite-ref-15[15] Auch die BemĂźhungen um die Integration von Menschen anderer Herkunft sowie das Konzept einer multikulturellen Gesellschaft werden abgelehnt und als âVerbrechen am eigenen Volkâ diffamiert.
Autoritarismus
Rechtsextremisten wollen den Nationalstaat durch eine autoritär gefĂźhrte Volksgemeinschaft ersetzen.cite-ref-16[16] Charakteristisch ist ein autoritäres, auf hierarchische und zentralistische Strukturen unter FĂźhrung nationaler âElitenâ ausgerichtetes Politikverständnis. Der liberale Rechtsstaat, der weniger auf GefĂźgsamkeit als auf die Einsicht zivilisierter BĂźrger setzt und daher tendenziell unautoritär, gemäĂigt und geduldig auftritt, wird von Rechtsextremisten angesichts ihrer radikalen Zielsetzungen als verweichlicht, kraftlos und ineffektiv angesehen. Eine autoritäre Ordnung wird nicht als Bedrohung, sondern als Schutzraum herbeigesehnt; entscheidend sind hierfĂźr oft vorpolitische, persĂśnliche Prägungen (etwa autoritäre Eltern), charakterliche Ursachen oder eine Ăberforderung durch die vom liberalen Rechtsstaat vorausgesetzte bĂźrgerliche Selbstkontrolle.cite-ref-17[17]
Es wird daher ein identischer Volkswille behauptet, sodass âFreiheitâ nur bedeutet, sich diesem unterzuordnen. Individuelle Selbstbestimmung und Chancengleichheit werden zu Gunsten von sozialem Einheitszwang bekämpft. AuĂenpolitisch folgt daraus â je nach besonderer Ländersituation â meist eine auf Abgrenzung, militärische und Ăśkonomische Machtsteigerung, ethnische âSäuberungenâ und/oder territoriale Expansion ausgerichtete Politik.cite-ref-18[18]
Internationale Szene-Tendenzen
Die wachsende international operierende rechtsextreme Szene nutzt vor allem das Internet zur Kommunikation. Es werden aber auch gemeinsame Demonstrationen, Rechtsrock-Konzerte und Veranstaltungen organisiert. Eine wichtige Rolle spielt die internationale Vernetzung beim Vertrieb von in einigen Staaten verbotenen Produkten mit speziellen Symboliken. Richard StÜss sieht im Ausmaà der Vernetzung von Rechtsextremisten einen wichtigen Indikator fßr das Bedrohungspotential, das von ihnen ausgeht.cite-ref-19[19] Eine kollektive Identität entsteht dabei ßber die Vorstellung der ZugehÜrigkeit zu einer gemeinsamen Rasse sowie zu einem gemeinsamen Kulturkreis (Abendland).
Rechtsextreme Netzwerke
â
Hauptartikel
:
Rechtsextreme Netzwerke
Im europäischen Parlament gibt es Versuche, eine rechtsextreme Fraktion aufzubauen. Die Fraktion Identität, Tradition, Souveränität bestand von Januar bis November 2007. Vorausgegangen waren Bemßhungen um eine einheitliche europäische Wahlplattform fßr die Europawahl 2004 unter dem Dach der Europäischen Nationalen Front. Ein erster Versuch von Rechtsextremisten, sich auf europäischer Ebene zu konstituieren, war die Grßndung des Nazi-Netzwerkes Europäische Soziale Bewegung 1951 in MalmÜ (Schweden).
In Nordamerika grĂźndeten sich die neonazistischen Hammerskins, die heute in vielen Ländern Ableger haben. International agieren auch das von Ian Stuart Donaldson gegrĂźndete Netzwerk Blood and Honour (âBlut und Ehreâ) und sein âbewaffneter Armâ Combat 18.
Einfluss auf andere Szenen und Subkulturen
Ein relativ konstanter Anteil der BevĂślkerung moderner Industriestaaten vertritt rechtsextreme Einstellungen, in Deutschland laut der SINUS-Studie zum Rechtsextremismus etwa 12 bis 13 Prozent. Allerdings gibt es Subkulturen, in denen Rechtsextremisten sich bevorzugt bewegen, ihre Meinungen und Ansichten offen vertreten und/oder neue Anhänger zu gewinnen suchen. Zu Propagandazwecken suchen sich rechtsextreme Agitatoren häufig Protestkulturen, bei denen thematische AnknĂźpfungspunkte bestehen. Dabei setzen sich nur einige Szenen, etwa Rock Against Communism, ausschlieĂlich aus bekennenden Rechtsextremisten zusammen. Bei den Skinheads bilden sie nur ein Teilspektrum. Wegen der groĂen medialen Aufmerksamkeit dafĂźr wird fast die gesamte Skinhead-Szene Ăśffentlich mit Rechtsextremismus assoziiert. Dies deckt sich zum Teil mit Strategien von Rechtsextremisten, eine Szene Ăźber bestimmte Kleidermarken, Symbole und das Imitieren von Verhaltensformen fĂźr sich zu vereinnahmen (siehe auch: Querfront-Strategien), um eine breite gesellschaftliche Akzeptanz oder zumindest Hegemonie vorzutäuschen.
Hooligans und Ultras
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Hauptartikel
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Hooligan
Hooligans sind Personen, die vor allem im Rahmen bestimmter Sportereignisse wie beispielsweise FuĂballspielen durch aggressives Verhalten auffallen. Sie sind nicht nur von gewĂśhnlichen Fans und Ultras, sondern auch von anderen Gruppen, Szenen und Einzelpersonen zu unterscheiden, da sie eine bestimmte, charakteristische Art von Gewalt kultivieren. Die ersten Vorfälle von Hooligans gehen bis ans Ende des 19. Jahrhunderts zurĂźck. Anhand der Namen der Hooligangruppen kann man in einigen Fällen erkennen, ob sie politisch motiviert sind oder nicht. Die Polizei geht davon aus, dass weniger als 6 % der Hooligans organisiert sind, aber weit mehr rechtsextreme Einstellungen haben, was etwa das Rufen von rassistischen oder fremdenfeindlichen Parolen in Stadien nahelegt. Viele dieser Hooligans gehĂśren der Skinhead-Szene, einige auch der Ultra-Szene an.cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]
2008 wurde in Sachsen-Anhalt erstmals eine rechtsextreme Hooligangruppe, die Blue White Street Elite, durch das Innenministerium verboten. Gegen das Verbot klagte die Gruppe. Nach RĂźckverweisung durch das Bundesverfassungsgericht im Revisionsverfahren wurde das Verbot im zweiten Rechtsgang vom Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt im Jahr 2010 aufgehoben. Das OVG kam zu der Erkenntnis, dass die Gruppe keine Vereinigung im Sinne des Vereinsgesetzes sei und das Verbot daher rechtswidrig sei (Az. 3 K 380/10).cite-ref-22[22]
Siehe auch
:
Borussenfront
,
Hertha-FrĂśsche
und
Irriducibili Lazio
Musik
â
Hauptartikel
:
Rechtsrock
und
National Socialist Black Metal
â
Hauptartikel
:
Hatecore
und
Rechtsextreme Liedermacher
Seit Beginn der 1980er Jahre werden verschiedene Formen der Unterhaltungsmusik immer mehr als Vehikel fĂźr rechtsextremes und neonazistisches Gedankengut benutzt. DafĂźr hat sich im deutschen Sprachraum, auch unter den Rezipienten selbst, die Bezeichnung âRechtsrockâ eingebĂźrgert. Im Englischen ist âRACâ als AbkĂźrzung fĂźr Rock Against Communism gebräuchlich.
Rechtsextremisten und vĂślkische Esoterik
â
Hauptartikel
:
Rechtsextremismus und Esoterik
Rechtsextreme Esoterik oder VĂślkische Esoterik bezeichnet Systeme von Ideen, Wertvorstellungen und Theorien, die esoterische Vorstellungen mit vĂślkischem oder rassistischem Gedankengut verbinden und häufig an die Ariosophie anknĂźpfen. Der Historiker und Journalist Stefan Meining versteht âRechte Esoterikâ als âSammelbezeichnung fĂźr weltanschauliche Richtungen und Praktiken [âŚ], die sich in den verschiedensten Ausprägungen durch Ăźbersinnliche Erleuchtung, Geheimwissen, Gruppen- und ElitebewuĂtsein auszeichnen und in ihren Schriften antiaufklärerische Erklärungsmuster mit kruden WeltverschwĂśrungsthesen vermengen.âcite-ref-meining-23-0[23]
Neopaganismus
â
Hauptartikel
:
Neopaganismus
Rechtsextremisten benutzen gelegentlich ânordischeâ Symbole, Runen und Namen als Erkennungszeichen. Beispiele fĂźr rechtsextreme neuheidnische Organisationen in Deutschland sind die Deutsche Heidnische Front (deutsche Sektion der Allgermanischen Heidnischen Front) und der Armanen-Orden.
In einigen rechtsextremen Gruppen wird eine âGermanische Heilkundeâ propagiert, die mit Argumenten der Alternativmedizin fĂźr angeblich germanische Heilpraktiken wirbt.cite-ref-24[24] Das Postulat einer germanischen Heilkunde geht auf die NS-Zeit zurĂźck (siehe dazu auch: Neue Deutsche Heilkunst).cite-ref-25[25]
Heimat-, Tier- und Naturschutz
Siehe auch
:
Tierschutz im Nationalsozialismus
und
Naturschutz im Nationalsozialismus
Ausgehend von einem rĂźckwärtsgewandten, romantisierenden Heimat-Begriff versuchen Neonazis in nationalsozialistischer Tradition wieder die Themen Natur- und Heimatschutz zu besetzen. Dabei wird Umwelt- und Naturschutz mit vĂślkischen, rassistischen, islamfeindlichen und antisemitischen Inhalten verknĂźpft, beispielsweise durch die Behauptung von einer âunverwechselbare[n] vĂślkische[n] Eigenart und Ăberlebensfähigkeit (âEwigkeitâ)â.cite-ref-26[26] Seit den 1980er Jahren wird insbesondere die Ablehnung des Schächtens propagiert und mit anti-islamischer Propaganda und Antisemitismus verbunden.cite-ref-27[27] Als wesentliche Ăśkologische Publikation des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland gilt das Magazin Umwelt & Aktiv.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]
Die Bedeutung des Schutzes der Natur in der Ideologie des Rechtsextremismus, aufbauend auf dem Nationalsozialismus, ist nicht zu Ăźberschätzen. Natur war ein SchlĂźsselbegriff der nationalsozialistischen Ideologie, und die Zeitspanne von 1933 bis 1945 war eine entscheidende Zeit fĂźr die Entwicklung des Naturschutzes. Er profitierte immens, was vielen Rechtsextremisten oft besser bekannt ist als NaturschĂźtzern.cite-ref-30[30] Die angenommene Ăberlegenheit der âdeutschen Rasseâ wurde von den Nationalsozialisten von einem Mythos abgeleitet, der fĂźr die âGermanenâ â und in der Nachfolge fĂźr die Deutschen â ein besonderes Verhältnis zur Natur unterstellte. Dabei bauten sie auf der Schrift des Tacitus De origine et situ Germanorum auf und gingen davon aus, dass die âGermanenâ ein unvermischtes, âreinrassigesâ Volk seien, das zudem durch die sie umgebende unwirtliche Umwelt â Schnee, Frost, tiefe Wälder, wilde Tiere usw. â physisch und psychisch abgehärtet worden sei. Daher stammten die angeblich Ăźberlegenen Eigenschaften, die sie Ăźber andere VĂślker erhĂśben und die sie Ăźber Generationen ausgebildet und genetisch weitergegeben hätten.cite-ref-31[31] Damit sollte die âĂberlegenheitâ der deutschen Nation begrĂźndet werden. Es war aus dieser Sicht konsequent, dass die âdeutsche Urnaturâ einen herausgehobenen Wert erhielt und eines besonderen Schutzes bedurfte. In der Folge erlieĂ Hermann GĂśring z. B. 1935 das Reichsnaturschutzgesetz.cite-ref-32[32] Die Landwirte als der Berufsstand, der am nächsten mit der âheiligen deutschen Erdeâ verbunden war, erhielt eine besondere FĂźrsorge, wie z. B. durch das Reichserbhofgesetz von 1933.cite-ref-33[33]
Rechtsextremisten greifen das geschilderte Argumentationsmuster im Bereich Natur- und Umweltschutz fast ungebrochen auf.cite-ref-34[34] Aussagen in diesem Zusammenhang sind z. B. auf der Homepage der NPD in Mecklenburg-Vorpommern unter dem Stichwort âVerantwortungsbewusste Landwirtschaftâ zu lesen. Hier wird nach wie vor der Bauernstand heroisiert. Er wird in artamanischer Tradition als biologische Urzelle des Staates begriffen, die zu schĂźtzen sei: âDer deutsche Bauernstand ist in wirtschaftlicher, volksbiologischer und kultureller Hinsicht von grĂśĂter Bedeutung, woraus sich eine Schutzpflicht des Staates ergibt.âcite-ref-35[35]
Die rechtsextreme Partei âDer III. Wegâ tritt fĂźr einen biologistisch definierten Umweltschutz ein, der auch den Naturschutz umfasst. âUmweltschutz ist Heimatschutz. [âŚ] Ziel der Partei âDer III. Wegâ ist die Schaffung bzw. Wiederherstellung einer lebenswerten Umwelt, die Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des Volkes und die FĂśrderung der Gesundheit.âcite-ref-36[36] Unter âErhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des Volkesâ werden nicht nur die Umweltmedien Boden, Wasser und Luft, Flora und Fauna verstanden, sondern aus rechtsextremer Perspektive auch die âgenetische Reinrassigkeitâ von Menschen, Tieren und Pflanzen. Damit wird implizit an den vĂślkischen Heimatschutz der vĂślkischen Bewegung und die darauf aufbauende âBlut-und-Boden-Ideologieâ des Nationalsozialismus angeknĂźpft.
In der Wahrnehmung von Rechtsextremisten verfälschen âgebietsfremdeâ Tiere, Pilze oder Pflanzen, sogenannte Neobiota, die reaktionäre ästhetische Vorstellung einer âdeutschen Naturâ. Die industriell geprägte Landwirtschaft stĂśĂt in diesen Kreisen auch deswegen auf Ablehnung, da hinter den beteiligten internationalen Konzernen aus rechtsextremer Sicht häufig eine âjĂźdische Eliteâ vermutet wird. Ein derart verstandener Heimatschutz richtet sich grundsätzlich gegen sämtliche Menschen, die nicht einem vĂślkisch-deutschen Verständnis entsprechen, da diese â nach rechtsextremer Definition â nicht in die hiesige Natur und Umwelt passen, sondern sie verändern und ihr damit schaden.cite-ref-37[37]
Autonome Nationalisten
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Hauptartikel
:
Autonome Nationalisten
Als âAutonome Nationalistenâ (AN) bezeichnen sich zumeist jugendliche Neonazis aus den Reihen der freien Kameradschaften. Ihren Ursprung hat diese StrĂśmung im Jahr 1990, als Neonazis aus dem Umfeld der Nationalen Alternative (NA) in Berlin-Lichtenberg ein Haus besetzten und damit besonders augenfällig eine Aktionsform der linken Hausbesetzer-Bewegung Ăźbernahmen. Aber erst seit etwa 2002 traten sie unter dem Namen Autonome Nationalisten auf und imitierten in ihren Aktionsformen bewusst die autonome Bewegung. Dazu gehĂśren neben Hausbesetzungen das Erregen von Aufmerksamkeit durch Aufkleber und SprĂźhereien, Anti-Antifa-Tätigkeiten und das einheitliche Auftreten als Schwarzer Block auf Demonstrationen. Bisweilen werden auch schwarze Handschuhe mit Protektoren getragen oder demonstrativ in den GesäĂtaschen eingesteckt, die wie in Teilen der Autonomen oder bei Hooligans als Zeichen der Gewaltbereitschaft zu deuten sind.
In den Folgejahren Ăźbernahmen in der gesamten Bundesrepublik einzelne junge Neonazis und Kleingruppen die Bezeichnung und den Stil der âAutonomen Nationalistenâ. Ziel ist es, dem BedĂźrfnis auch Jugendlicher und junger Erwachsener mit rechtsextremen und neonazistischen Weltbildern nach einem modernisierten Lifestyle entgegenzukommen und nicht dem Image des Ewiggestrigen und den Klischees vom âStiefel-Naziâ und âSkinheadâ zu entsprechen. âAutonome Nationalistenâ sehen sich selbst als bewusste Provokateure der Altnazis und lehnen deren âschwarz-weiĂ-rote DeutschtĂźmeleiâ oder â1933er-Romantikâ ab. Das Auftreten bei Demonstrationen und Kundgebungen der rechtsextremen Szene fĂźhrte in der Vergangenheit zu Spannungen mit der NPD, die als Wahlpartei nach auĂen hin um ein moderates Auftreten bemĂźht ist.
Auch in einigen anderen Ländern gibt es die âAutonomen Nationalistenâ, so in Schweden, wo Varenus Luckmann 2009 als deren Vertreter beim Fest der VĂślker redete.
Naziskins
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Hauptartikel
:
Skinhead #Gruppierungen mit eindeutig rechtsextremer Gesinnung
Zwar ist Skinhead eine Sammelbezeichnung fĂźr alle AngehĂśrigen der Skinheadszene, einer sehr heterogenen, jugendlich dominierten Subkultur, die einen gemeinsamen Dresscode und kurz bis kahl geschorene KĂśpfe haben. UrsprĂźnglich rekrutierten sich die Skinheads aus Anhängern der englischen Arbeiterklasse. Zu Beginn der 1980er-Jahre formierten sich dann in Deutschland, den USA und in England immer mehr so genannte naziskins (englisch), neonazistische Jugendliche, die mit ihrem ĂuĂeren an die Skinheadbewegung anknĂźpften. Diese prägten bald das Ăśffentliche Bild von Neonazis. Heute wird der Begriff Skinhead in der Ăffentlichkeit oft synonym zu Neonazi gebraucht, selbst in Bezug auf Neonazis, die nicht im Habitus der Skinheads erscheinen. GefĂśrdert wurde diese Identifikation durch Massenmedien, die eher Ăźber rassistische Gewaltakte berichteten als Ăźber Demonstrationen von Skinheads gegen Rassismus. Angesichts der auch politisch sehr heterogenen Szene ist diese Gleichsetzung (Skinhead gleich Naziskin) jedoch falsch.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]
Zu den bekannten Naziskin-Gruppen gehĂśren Blood and Honour, Combat 18 und die Hammerskins. Einige Skinheads, meist Gegner der Naziskins, verwenden fĂźr diese das Wort Bonehead, weil sie meist vollkommen kahlrasiert oder mit sehr kurzen Haaren auftreten.
Protest gegen COVID-19-SchutzmaĂnahmen
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Hauptartikel
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Proteste gegen SchutzmaĂnahmen zur COVID-19-Pandemie in Deutschland #Rechtsgerichtete Veranstalter
Unter den Veranstaltern und Teilnehmern von Protest-Demonstrationen gegen SchutzmaĂnahmen wegen der COVID-19-Pandemie finden sich zahlreiche Personen des Rechtsextremismus. Sie demonstrieren oft Seite an Seite mit VerschwĂśrungstheoretikern und Esoterikern.cite-ref-40[40] Allgemein sind eine Affinität zu VerschwĂśrungstheorien und eine Ablehnung demokratischer Institutionen eng mit dem Rechtsextremismus verbunden, was zu einer geringeren Bereitschaft zur Akzeptanz der MaĂnahmen gegen die Pandemie fĂźhrt. Eine Studie von Christoph Richter et al. zeigte fĂźr Deutschland empirisch einen positiven Zusammenhang zwischen Wahlergebnissen rechtsextremer Parteien und den Inzidenzzahlen im selben Wahlkreis während der Corona-Infektionswellen des Jahres 2020.cite-ref-41[41]
Medien
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Hauptartikel
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Rechtsextremismus im Internet
Rechtsextremisten benutzen seit etwa 1993 verstärkt das Internet zur Kommunikation. In einigen Rechtsstaaten, darunter Deutschland, wird dies als Problem Ăśffentlich beobachtet und erĂśrtert, besonders sofern die Verbreitung rechtsextremer Inhalte im Netz sich dem national geltenden Strafrecht entzieht. Dieser Missbrauch hat â wie in vergleichbaren anderen Bereichen â verschiedene gesellschaftliche, staatliche und internationale GegenmaĂnahmen in Gang gesetzt.
Siehe auch
:
Holocaustleugnung
und
Judenfeindlichkeit
Symbole und Zeichen
â
Hauptartikel
:
Rechtsextreme Symbole und Zeichen
Anhänger der internationalen rechtsextremen Szene bedienen sich bestimmter Symbole und Zeichen, um ihre Gesinnung in der Ăffentlichkeit zu zeigen. Wie alle Symbole dienen sie dem schnellen Wiedererkennen, stellen also einen gruppen- und länderĂźbergreifenden Code dar.
Rechtsextreme Parteien in Parlamenten europäischer Staaten
| Land | Partei | Symbol | Parteichef | Stimmen in % (letzte Wahl) | Platzierung bei letzter Wahl | Sitze im Parlament | Regierungs- beteiligung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Turkei Tßrkei | Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) | | Devlet Bahçeli | 10,1 ( 2023 ) | 3. | 0 50 von 600 | Ja |
| Russland Russland | LDPR | | Leonid Sluzki | 0 7,5 ( 2021 ) | 3. | 0 21 von 450 | Nein |
| Ungarn Ungarn | Unsere-Heimat-Bewegung (Mi HazĂĄnk) | | LĂĄszlĂł Toroczkai | 0 5,9 ( 2022 ) | 3. | 00 6 von 199 | Nein |
| Ukraine Ukraine | Allukrainische Vereinigung âSwobodaâ | | Oleh Tjahnybok | 0 2,2 ( 2019 ) | 7. | 00 1 von 450 | Nein |
| Zypern Republik Zypern | Nationale Volksfront (ELAM) | | Christos Christou | 0 6,8 ( 2021 ) | 4. | 0 4 von 56 | Nein |
| Deutschland Deutschland | Alternative fĂźr Deutschland (AfD) | | Alice Weidel Tino Chrupalla | 20,8 ( 2025 ) | 2. | 151 von 630 | Nein |
Länderberichte
Rechtsextremismus ist ein weltweit auftretendes Phänomen. Neben einem gemeinsamen Kern gibt es allerdings unterschiedliche gesellschaftliche Voraussetzungen in unterschiedlichen Ländern, da sich die Bezeichnung ârechtsâ jeweils auf einen konkreten geschichtlichen Kontext bezieht.cite-ref-42[42] Besondere Probleme ergeben sich bei der genauen Abgrenzung zum religiĂśsen Extremismus. In nicht demokratisch verfassten Ländern kann hingegen laut Definition nicht von Rechtsextremismus gesprochen werden.
Deutschland
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Hauptartikel
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Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland
und
Rechtsextremismus in der DDR
Das rechtsextreme Weltbild, geprägt von rassistischen, vÜlkischen und nationalistischen sowie chauvinistischencite-ref-43[43] Werteverständnissen, steht im Widerspruch zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.cite-ref-44[44]
Bis zum Anfang der 1970er Jahre war die Bezeichnung ârechtsradikalâ fĂźr Bestrebungen, die heute als rechtsextrem bezeichnet werden, Ăźblich. 1975 fĂźhrte der damalige Innenminister Werner Maihofer im Vorwort des Verfassungsschutzberichts den Extremismusbegriff in den Sprachgebrauch staatlicher BehĂśrden ein. Er sollte den bis dahin verwendeten Begriff des Rechts- und Links-Radikalismus, der nicht unbedingt verfassungsfeindliche Haltungen bezeichnet, ergänzen.cite-ref-45[45] Heute werden mit der Bezeichnung âRechtsextremismusâ politische Bestrebungen am rechten Rand des politischen Spektrums beschrieben, die die Beseitigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung zum Ziel haben. Der Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland wird in drei Lager eingeteilt: die parlamentarisch orientierten Parteien, die intellektuell orientierte Neue Rechte und die aktionistisch orientierte Neonazi- und Skinheadszene. Die Heterogenität lässt sich aus der Geschichte des deutschen Rechtsextremismus seit 1945 erklären, dessen historische Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurĂźckreichen.
Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern, wie Italien oder Frankreich, konnte sich in der Bundesrepublik Deutschland keine rechtsextreme Partei, abgesehen von einzelnen Landesverbänden wie der AfD Bremen, dauerhaft auf Landes- oder Bundesebene etablieren. Rechtsextreme Aktivitäten werden mit Hilfe der Instrumente einer streitbaren Demokratie strafrechtlich verfolgt. Mit der Beobachtung und Ăberwachung rechtsextremer Bestrebungen beschäftigen sich die VerfassungsschutzbehĂśrden von Bund und Ländern. So wird derzeit (2020) der rechtsextreme FlĂźgel der AfD unter BjĂśrn HĂścke und Andreas Kalbitz vom Verfassungsschutz beobachtet.cite-ref-46[46] DarĂźber hinaus existieren staatliche und oftmals staatlich gefĂśrderte zivilgesellschaftliche Initiativen gegen Rechtsextremismus in Deutschland.
Das âRechtsextremismuspotential (Gesamt)â gibt fĂźr 2019 eine Zahl der organisierten sowie nichtorganisierten Rechtsextremisten von rund 32.080 Personen an (2018: 24.100), von denen rund 13.000 Personen vom Bundesamt fĂźr Verfassungsschutz (BfV) als gewaltorientiert eingestuft werden.cite-ref-47[47] Dem Phänomenbereich âpolitisch motivierte Kriminalität â rechtsâ wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) 21.290 Straftaten im Jahr 2019 zugeordnet.cite-ref-48[48]
Der Verfassungsschutzbericht 2019 stuft folgende Parteien als rechtsextrem ein: NPD, Die Rechte und Der III. Weg. Beobachtet werden demzufolge auch: die Identitäre Bewegung Deutschland, die Jungen Nationalisten (JN), der Ring Nationaler Frauen (RNF), die Kommunalpolitische Vereinigung der NPD (KPV) sowie die Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft (DS Verlag). In der AfD werden Der Flßgel und die Junge Alternative fßr Deutschland (JA) als Verdachtsfälle eingestuft.cite-ref-49[49]
Seit etwa 2012 tritt zudem die rechtsextreme Identitäre Bewegung (IBD) auf,cite-ref-vs-sachsen-50-0[50] die hauptsächlich als Ableger des franzÜsischen Bloc identitaire beschrieben wird und deren Mitgliederanzahl in Deutschland auf 600 geschätzt wird.cite-ref-51[51] Einige soziale Netzwerke gingen im August 2020 gegen die Mitglieder der IBD und der IBà vor und sperrten Accounts im Zusammenhang dieser Organisationen.cite-ref-52[52] Seitdem weichen Rechtsextreme zunehmend auf geschlossene Chatgruppen wie bei Telegram oder Discord aus.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]
Latente Neigungen zu rechtsextremen Positionen werden auch in anderen Gruppierungen vermutet und teilweise beobachtet. Dazu zählen Der FlĂźgel der AfD, kleine Teile der Bundeswehr und des Ăźbrigen Ăffentlichen Dienstes sowie die ReichsbĂźrger und Selbstverwalter.
Die 2019 geänderte Ausrichtung mit Aufstockung und Umstrukturierung des Bundesamtes fĂźr Verfassungsschutz und des Militärischen Abschirmdienstes (MAD),cite-ref-55[55] die eine erhĂśhte Aktivität zur Beobachtung der rechtsextremen Szene zum Ziel hatte, ergab sich aus einer Zunahme der rechtsextremen Straftaten und Phänomenen im Zusammenhang mit den NSU-Prozessen, dem Mordfall Walter LĂźbcke, dem Mord und Ausschreitungen in Chemnitz (2018), Bedrohungen von Kommunalpolitikern, Journalisten und Ehrenamtlichen, der Sammlung von Personen auf sog. âFeindeslistenâ und der allgemeinen Anti-Asyl-Agitation der Szene.
Frankreich
1968 begann sich in Frankreich die Nouvelle Droite zu konstituieren. FĂźhrender Protagonist war Alain de Benoist mit seiner Theoriegruppe GRECE. 1969 grĂźndete sich der Ordre Nouveau (ON), der 1972 maĂgeblich die GrĂźndung des Front National (FN) vorantrieb. 1973 wurde der ON verboten.
Erst ab 1984 konnte sich der FN als rechtsextreme Partei im franzĂśsischen Parteiensystem fest etablieren. Die ersten Wahlerfolge grĂźndeten sich auf Gruppen aus dem traditionellen Mittelschichten; kleine Unternehmer, Bauern, Handwerker und einige freie Berufe waren die Hauptwählergruppe.cite-ref-56[56] Vor allem Enttäuschungen Ăźber die regierende Linkskoalition halfen Jean-Marie Le Pen, seine Anhänger mit neoliberalen Parolen zu mobilisieren.cite-ref-57[57] Während der Kommunalwahlen 1983 gelang es der Rechten, Migration zum Wahlkampfthema zu machen. Alle Parteien bemĂźhten sich hier, Härte zu zeigen. Dem FN kam zu ersten nennenswerten Wahlerfolgen; gleichzeitig stiegen rassistische Straftaten drastisch an. Im Zeitraum 1980â1985 wurden 130 rassistisch motivierte Morde verzeichnet.cite-ref-58[58] Landesweit erhielt der FN Mitte der 1990er Jahre 15 Prozent der Wählerstimmen und erreichte damit dieselbe GrĂśĂenordnung wie der RPR (heute UMP) des ehemaligen Staatschefs Jacques Chirac. Ihm warfen der zurĂźckgetretene RPR-Chef Philippe SĂŠguin und der zum FN Ăźbergetretene Enkel von General Charles de Gaulle âUnterwerfungâ Frankreichs unter die USA und die EU vor.
Le Pen, der langjährige Vorsitzende des FN, war wegen zahlreicher Skandale auch in der eigenen Partei umstritten. FN-Plakatkleber lieferten sich vor der letzten Parlamentswahl wiederholt mit Plakatklebern der Sozialisten und der Kommunisten handgreifliche Konflikte. Auch Parteichef Le Pen wurde verurteilt, weil er eine Journalistin geschlagen hatte. Er pflegte Freundschaften mit Gerhard Frey und Wladimir Schirinowski, dem er 1993 als erster zu seinem Achtungserfolg gratulierte.
FranzĂśsische Politikwissenschaftler unterteilen die extreme Rechte in folgende StrĂśmungen:
⢠Nationalistes contre-rĂŠvolutionnaires, die sich auf die Tradition der katholischen Monarchie vor 1789 beziehen und die Errungenschaften der FranzĂśsischen Revolution wie Demokratie, Parlamentarismus und Laizismus ablehnen, hier haben auch Vertreter des katholischen Traditionalismus groĂen Einfluss.
⢠Nationalistes rÊvolutionnaires betrachten sich hingegen als sozialrevolutionär und beziehen sich oft auf den historischen Faschismus, sie lehnen das Christentum ab und sind teilweise neuheidnisch geprägt.
⢠Andere StrĂśmungen sind demokratisch, aber autoritär und nationalpopulistisch orientiert, sie werden aus historischen GrĂźnden bonapartistisch genannt. GroĂen Einfluss in diesen Kreisen haben auch die Ideen von Charles Maurras, der einen hierarchischen Ständestaat zur Vermeidung von Klassenkämpfen vorschlug und im Vichy-Regime leitende Positionen innehatte.
Im FN vereinigten sich Vertreter aller dieser Gruppen wie auch gemäĂigtere Nationalisten.
Hochburgen des FN sind das Elsass, die von wirtschaftlichen und sozialen Problemen geprägten frĂźheren Industriezentren in Lothringen und Nord-Pas de Calais sowie die sĂźdfranzĂśsischen Regionen Provence-Alpes-CĂ´te dâAzur und Languedoc-Roussillon. In mehreren GroĂstädten des SĂźdens, darunter Toulon, stellte der FN den BĂźrgermeister. Darum fĂźhlten sich die vorwiegend nordafrikanischen Einwanderer bedroht. Die Leiter der âCharlemagne Hammer Skinâ-Gruppe stammten ebenfalls aus dem SĂźden Frankreichs.
Nach dem Misserfolg bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2007, bei denen auch Kandidaten anderer Parteien die Themen Einwanderung, Integration und nationale Identität ansprachen, geriet der FN in eine Krise, die schlieĂlich im Januar 2011 mit der Wahl von Marine Le Pen, der Tochter des ParteigrĂźnders, zur neuen Vorsitzenden beendet wurde. Sie steht fĂźr eine Ăffnung der Partei hin zu Demokratie und Laizismus und eine Abkehr von Antisemitismus und offenem Rassismus. Stattdessen definiert sie die Nation Ăźber die âKulturâ. Von rechtsextremen Parteien wie der British National Party (BNP) oder der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) hält die Partei seither Abstand und versucht sich als Kraft der rechten Mitte zu positionieren; ihr zentrales Thema ist dabei die Islamkritik und die Warnung vor einer âIslamisierungâ Frankreichs. Von Experten wird die GlaubwĂźrdigkeit dieser Kehrtwende aber bezweifelt, da viele Parteimitglieder an alten Positionen festhalten.cite-ref-59[59] Tanja Wolf ordnete den FN in ihrer 2019 verĂśffentlichten Typologie rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien in Europa als ârechtspopulistische Partei mit rechtsextremen Tendenzenâ ein.cite-ref-60[60] Der Front National benannte sich 2018 in Rassemblement National (âNationale Sammlungsbewegungâ) um.
Noch weiter rechts als der (reformierte) FN stehen Gruppen wie Renouveau français. Dies gilt auch fĂźr den Bloc identitaire und die Ligue du Sud, die ähnlich wie die Lega Nord die Ablehnung von Einwanderung und anti-islamischen Rassismus mit der Betonung regionaler Identitäten gegenĂźber dem Zentralstaat verbinden und vor allem in SĂźdfrankreich Ăźber einen gewissen Einfluss verfĂźgen. Der Bloc identitaire war Vorbild fĂźr die Identitäre Bewegung in Deutschland und Ăsterreich.
Seit 2007 besteht zudem die rechtsextreme und betont antizionistische Bewegung ĂgalitĂŠ et Reconciliation (âGleichheit und VersĂśhnungâ) des Antisemiten Alain Soral. Dieser unterhält enge Verbindungen zu dem Komiker DieudonnĂŠ Mâbala Mâbala und dem Karikaturisten Joe Le Corbeau (bĂźrgerlich NoĂŤl GĂŠrard), die ebenfalls antisemitische und holocaustrelativierende Inhalte verbreiten. Damit stehen sie fĂźr einen entgegengesetzten Kurs zum Front National, der sich unter Marine Le Pen vom Antisemitismus distanziert hat und sich seither als Freund Israels und âSchutzschild der Judenâ präsentiert. Ebenfalls im bewussten Gegensatz zum islamfeindlichen Front National sprechen DieudonnĂŠ und Sorals Bewegung mit ihren antizionistischen und verschwĂśrungstheoretischen Parolen auch junge Muslime aus den Banlieues an. DieudonnĂŠ unterhält zudem Beziehungen zu islamistischen Organisationen.cite-ref-61[61]
GroĂbritannien
Bereits 1945 propagierte Oswald Mosley, GrĂźnder der Partei Union Movement, eine europaweite Zusammenarbeit rechtsextremer Organisationen. Er bemĂźhte sich nach dem Ende des Krieges, an die Erfolge der britischen Faschisten vor 1939 anzuknĂźpfen und seiner Bewegung eine neue Massenbasis zu geben. Doch seine BemĂźhungen scheiterten.cite-ref-62[62] Mosley grĂźndete 1948 die Partei Union Movement (1973 umbenannt in Action Party), die sich offiziell erst 1994 auflĂśste. Von dieser spaltete sich 1974 die noch heute existente League of Saint George ab. 1962 grĂźndete sich die erste offen neonazistische Organisation, das National Socialist Movement (NSM). 1967 folgte die GrĂźndung der neofaschistischen British National Front. Hier entstand, gespeist von der starken Hooligan- und Skinheadszene, um 1990 die âBlood and Honourâ-Bewegung, die sich um die rassistische Band âSkrewdriverâ versammelte. Dem 1993 verstorbenen âSkrewdriverâ-Sänger Ian Stuart Donaldson wurde auf den Konzerten der Bewegung regelmäĂig gehuldigt. Neuerdings unterstĂźtzt die Bewegung die Anti-Euro-Kampagne der rechtsradikalen British National Party. Diese zahlenmäĂig stärkste Rechtsradikalenorganisation hat ihre Hochburgen traditionell in den Innenstädten, konnte aber durch die UnterstĂźtzung von âBlood and Honourâ ihr Agitationsfeld auf die Farmer und Vorstädter ausweiten, deren Ăngste vor Preisverfall und Immigration sie zu bedienen sucht. Den Kampf um die Innenstädte vor allem der Städte mit einem hohen Migrantenanteil (dies sind meist auch die alten Industriestädte mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen wie Arbeitslosigkeit und Kriminalität, Liverpool, Sheffield oder Wolverhampton) fĂźhrte hingegen die zahlenmäĂig schwächere British National Front, die allerdings seit den 1980er Jahren im Niedergang begriffen ist.
Einige Wahlerfolge erzielte die BNP bei den Europawahlen 2009; sie entsendet seither zwei Vertreter in das Europäische Parlament. Als HauptgrĂźnde gelten Enttäuschung Ăźber Korruption bei den etablierten Parteien, Kritik am ausgeprägten Multikulturalismus und Ăngste vor âĂberfremdungâ; vor allem muslimische Einwanderer aus Pakistan oder Bangladesch standen in der Kritik. Seither hat die Partei allerdings wieder an Stimmen verloren, auch weil andere Parteien stärker Einwanderungs- und Integrationsprobleme thematisierten und die Partei aufgrund ihres teilweise offenen Rassismus fĂźr Wähler der Mitte als zu radikal gilt.
Offen terroristisch geht âCombat 18â (die Zahlen stehen fĂźr den 1. und den 8. Buchstaben im Alphabet, A. H.; Ăźbersetzt âKampfgruppe Adolf Hitlerâ) gegen Migranten in England, Schottland und Wales vor. Die TĂźren der Betroffenen werden mit Farbe markiert, die Häuser mit Brandsätzen angegriffen. Auch Sprengstoffanschläge werden Combat 18 angerechnet. Die Combat 18 ist die stärkste Neonazibewegung in Schottland. Mit der dortigen Nationalpartei sympathisiert sie jedoch nicht, denn Anhänger der rechtsradikalen Szene in Schottland und Nordirland sind Protestanten, die eine starke Verwurzelung mit England vorgeben (so genannte âUnionistenâ). Sie begehen zwar vorwiegend religiĂśs motivierte Straftaten, sympathisieren aber oft mit der nationalsozialistischen Ideologie und mit âBlood and Honourâ. Auf der britischen Insel sind FuĂballspiele immer wieder der Rahmen fĂźr rassistische oder religiĂśs motivierte Ăbergriffe mit einer jährlich zweistelligen Zahl von Opfern. In Schottland wurden schon Jugendspieler der Vereine Opfer der Gewalt. Eine Reihe von Sprengstoffanschlägen auf Londoner Schwulenbars wird der Gruppe âInternational Third Positionâ zugerechnet, deren Unterschlupf in Spanien im November 1999 nur noch verlassen aufgefunden wurde.
MutmaĂlich rassistische Ăbergriffe von englischen Polizeibeamten lĂśsten in den Städten Oldham und Leeds im Juni 2001 schwere Krawalle vorwiegend den Minderheiten angehĂśriger Jugendlicher aus. Einige Sprecher widersprachen aber, dass es sich um Rassenunruhen handele; vielmehr gehe es um einen Konflikt zwischen Jugendlichen und der Polizei. Ăhnliche Ăbergriffe von Polizeibeamten soll es bereits wiederholt gegeben haben. Dies ermĂśglichte es Vertretern der rechtsradikalen Parteien, in einer dieser Städte gleich zwei Sitze zu erlangen.
Die English Defence League ist eine islamfeindliche Organisation und Kleinpartei, bei der personelle Ăberschneidungen zur gewaltbereiten rechtsextremen Szene bestehen.cite-ref-63[63]
Italien
Italien war unter Benito Mussolini die erste faschistische Diktatur in Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Partei Movimento Sociale Italiano (MSI) von Giorgio Almirante gegrĂźndet. Sie war durchgängig im italienischen Parlament vertreten, konnte sich aber bis auf die UnterstĂźtzung der kurzlebigen Regierung von Fernando Tambroni (MaiâJuli 1960) nie an der Macht beteiligen. Ihre Wahlergebnisse lagen relativ stabil bei 5â8 Prozent.cite-ref-64[64] Mehrere noch radikalere Abspaltungen gingen aus dem MSI hervor: So die militanten Ordine Nuovo (1954) und die Avanguardia Nazionale (1959). Nach 1995 wurde der MSI aufgelĂśst und aus ihm wurde die Alleanza Nazionale (AN), die sich zu einer nationalkonservativen Partei wandelte. Das neofaschistische Erbe haben Kleinstparteien wie die Fiamma Tricolore angetreten. Bis auf einige Achtungserfolge, wie etwa die Wahl des Rechtsextremisten Luca Romagnoli zum Europaabgeordneten, sind diese Gruppen keine Hauptakteure im politischen Geschehen. Von ziemlicher Bedeutung ist hingegen die Unterwanderung der italienischen UltrĂ -Bewegung durch Rechtsradikale.
GroĂes Aufsehen erregen vor allem im Ausland die fremdenfeindlichen ĂuĂerungen prominenter Mitglieder der Regierungspartei Lega Nord, die zum Teil als rechtsextrem eingestuft wird. Ferner existieren zahlreiche Neonazigruppen mit traditionell guten Verbindungen zu deutschen Rechtsextremisten, vor allem in SĂźdtirol. Dort kam es in den letzten Jahren vereinzelt zu Auseinandersetzungen zwischen italienischen und deutschen Nationalisten.
Niederlande
In den Niederlanden sind einige politische Entwicklungen später als anderswo in Gang gekommen, denn die Industrialisierung kam relativ spät, und das Land hat nicht am Ersten Weltkrieg teilgenommen. Sozialdemokraten waren erstmals 1939 in der Regierung vertreten. In der Zwischenkriegszeit sind linke und rechte Extremisten jeweils unter zehn Prozent bei den Wahlen zum nationalen Parlament geblieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg dominierten lange weiterhin die konfessionellen Parteien die politische Landschaft.
Die Niederlande haben eine koloniale Vergangenheit und ebenso wie die Bundesrepublik Gastarbeiter angeworben. Die Einwanderer gelten als unterschiedlich gut integriert; Asiaten bereiten in dieser Hinsicht weniger Probleme als Einwanderer aus dem Mittelmeerraum. Lange Zeit aber ist die Einwanderung kaum ein Thema in der nationalen Politik gewesen, bis in den 1980er Jahren Parteien wie die Centrumspartij und dann die Centrumdemocraten von Hans Janmaat ins Parlament gewählt worden sind.
Von der etablierten Politik wurde das Einwandererthema zuerst um 1991 aufgegriffen, und zwar vom rechtsliberalen Frits Bolkestein (VVD). Um 2000 lebte das Thema weiter auf, und im Jahre 2002 erreichte die Wahlliste von Pim Fortuyn aus dem Stand heraus 17 % der Wählerstimmen. Fortuyn ist aber wie auch der ebenfalls ermordete Theo van Gogh nicht als Rechtsextremist anzusehen.
Nach der Ermordung des Islamkritikers van Gogh (2004) kam es zu Ausschreitungen, bei denen Moscheen und Kirchen in Brand gesetzt wurden. Die Regierung unter Jan Peter Balkenende hat nach dem Vorbild Dänemarks restriktivere Einwanderungsgesetze erlassen. Der Rechtsextremismus als demokratiefeindliche Bewegung ist in den Niederlanden eher schwach vertreten. Die Partij voor de Vrijheid des Islamgegners Geert Wilders wird in Untersuchungen und Studien des niederländischen Innenministeriums und der Anne Frank Stiftung als rechtsextrem eingestuft.cite-ref-uni-muenster1-65-0[65]cite-ref-uni-muenster2-66-0[66] Die Partei Nederlandse Volks-Unie, 1971 nach deutschem neonazistischem Vorbild gegrßndet, kann am ehesten mit der NPD verglichen werden. Sie hatte bislang keine Erfolge bei Wahlen.
Polen
Der Nationalismus war fĂźr Polen die Ideologie, die seit den Teilungen Polens im 18. Jahrhundert die Beseitigung von Fremdherrschaft durch Russland, PreuĂen und Ăsterreich, Deutschland von 1939 bis 1945 und die Sowjetunion von 1947 bis 1989 sowie die Herstellung von Demokratie und Volkssouveränität gefordert hatte, während er in Deutschland vor allem die Ideologie imperialistischer Expansion war. Daher ist Nationalismus in Polen weniger diskreditiert als in westeuropäischen Ländern. Häufig wird auf diesen Umstand rechtfertigend hingewiesen, um zu begrĂźnden, warum in den aktuellen Auseinandersetzungen zwischen Polen und der EU â ob es um die Ăffnung des Landes fĂźr Gentechnik-Anbau, die Rolle ausländischer Banken im polnischen Finanzsektor oder den unbeschränkten Grunderwerb von Ausländern geht â das Beharren polnischer (auch sozialdemokratischer) Politiker auf nationalen Interessen nicht mit herkĂśmmlichem aggressivem Nationalismus verwechselt werden sollte.
Als geistiger Wegbereiter des polnischen Nationalismus gilt Roman Dmowski, auf dessen Ideen polnische Nationalisten heute noch Bezug nehmen. In den Umbruchzeiten der frĂźhen 1990er Jahre kam auch in Polen der radikale Nationalismus wieder auf. Traditionelle Ressentiments wurden dabei verstärkt durch das schon kurz nach der Wende aufkommende GefĂźhl vieler Polen, dass ihr Land wieder fremdbestimmt werde und abhängig bleibe, nur dass die Kolonialmacht nicht mehr im Osten, sondern im Westen beheimatet sei. Gerade in letzter Zeit sind deshalb â neben der angeblichen âBevormundungâ durch die EU â immer mehr Deutschland und die Deutschen zum Objekt nationalistischer Propaganda in Polen geworden. Traditionell ein Problem war in Polen auch der katholische Antisemitismus. Die gesellschaftlich einflussreiche katholische Kirche in Polen leistet dem Rechtsextremismus mit ihrem ambivalenten Verhalten zu den Massenmorden an Juden in Polen Vorschub: Einerseits entschuldigte sie sich erst kĂźrzlich fĂźr die Gräuel, andererseits sind die starken antisemitischen Vorbehalte noch immer zu spĂźren. So sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Polen, JĂłzef Glemp, kurz vor der mit einem Gottesdienst feierlich begangenen Entschuldigung: âIch Ăźberlege mir, ob die Juden nicht anerkennen sollten, dass sie gegenĂźber den Polen schuldig sind, insbesondere was die Zusammenarbeit mit den Bolschewisten und die Mittäterschaft bei den Deportationen nach Sibirien betrifft.âcite-ref-67[67]
Die rechtsextreme Szene in Polen wird durch die sozialen Probleme des Landes gestärkt. Von den jungen Menschen unter 25 Jahren sind mehr als die Hälfte arbeitslos oder arbeiten in ungesicherten Hilfsjobs im In- oder Ausland. Nachdem sich im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs der Jahre 2006â2010 die Lage zunächst verbessert hatte, wurde Polen von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise getroffen; die Jugendarbeitslosigkeit stieg wieder auf 26 Prozent. Die Disparität zwischen Verarmung und Konsumangebot lässt Frustrationen entstehen, die vielfach einen Nährboden fĂźr Gewalt und Kriminalität bilden. Andererseits lassen sie den Wunsch nach einer Identität jenseits des trostlosen Alltags und in Abgrenzung zu âden Anderenâ (Deutschen, Homosexuellen, Juden, âZigeunernâ usw.) wach werden. Diese Umstände machen sich FuĂball-Fanclubs und Hooligan-Gruppen ebenso zu Nutze wie nationalistische Gruppen wie die Jugendorganisation der Liga Polskich Rodzin (Liga der polnischen Familien) und die MĹodzieĹź Wszechpolska (Allpolnische Jugend). In diesem Klima entwickelte sich eine Neonaziszene, die sich der deutschen stark annähert und teilweise mit dieser gemeinsame Aktionen veranstaltet, so geschehen bei einer Jagd auf deutsche und polnische Punks in Frankfurt (Oder). Ăbergriffe auf Konzentrationslager und jĂźdische FriedhĂśfe sind keine Seltenheit. Wie in Deutschland sind Ausländer in manchen Regionen einer Gefährdung durch Rechtsextremisten ausgesetzt. Polen ist, wie die meisten osteuropäischen Staaten, Umschlagplatz fĂźr Devotionalien und Waffen aller Art. Auch hier veranstaltet die starke Blood-and-Honour-Bewegung oft und gerne Skinheadkonzerte.
Russland
Die Gruppe Pamjat, die in den letzten Tagen der Sowjetunion eine wichtige Position einnahm, zerfiel in den 1990er Jahren. Aus ihr heraus entstanden viele weitere rechtsextreme Gruppen in Russland wie die Russische Nationale Einheit und fßhrende rechte Ideologen wie Alexander Geljewitsch Dugin, der 1988 und 1989 zur Fßhrung von Pamjat gehÜrte.cite-ref-68[68]cite-ref-69[69] Die Liberal-Demokratische Partei Russlands (LDPR) war in den 1990er Jahren eine wichtige Kraft im rechten politischen Spektrum. Ihr Vorsitzender Wladimir Schirinowski unterhielt unter anderem Kontakte zu Gerhard Frey und Jean-Marie Le Pen.cite-ref-minkenberg67-70-0[70] 1993 erzielte Schirinowski mit etwa 12 Millionen Wählerstimmen einen Erfolg, der in den internationalen Medien ein breites Echo fand. Bei den folgenden Wahlen blieb er jedoch stets unter dem Ergebnis von 1993.
Es ist umstritten, ob die Kommunistische Partei der Russischen FĂśderation (KPRF) zur Rechten gehĂśrt. Einerseits vertritt sie einen russischen Imperialismus und Nationalismus und ihr Vorsitzender Gennadi Andrejewitsch Sjuganow hat Kontakte zu ultranationalistischen, antisemitischen Organisationen. Andererseits sind Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit nicht die wichtigsten Elemente der Partei.cite-ref-minkenberg67-70-1[70] Die KPRF und die LDPR knĂźpfen beide an Ideologien aus unterschiedlichen politischen Lagern an, was eine eindeutige Verortung im Rechts-links-Spektrum erschwert.cite-ref-thiem-71-0[71]
Parteipolitisch war ferner die Nationalbolschewistische Partei Russlands (NBP, unter Eduard Limonow) in einigen grĂśĂeren Städten präsent. Sie wurde 2005 verboten. Die SA-ähnlich organisierte Gefolgschaft der Russischen Nationalen Einheit (RNE) des mit deutschen Neonazikreisen befreundeten Alexander Barkaschow besteht dagegen bis heute. Die von dem Neonazi Dimitri Djomuschkin gefĂźhrte Organisation Slawische Union gilt bis heute als eine der grĂśĂten rechtsextremen Organisationen Russlands.
Als eine zentrale Figur des rechten FlĂźgels in Russland gilt Alexander Geljewitsch Dugin, der eine quasi-geopolitische Ideologie des âNeo-Eurasismusâ vertritt. Er stieg in den 1990er Jahren rasant auf, war Berater des Duma-Sprechers Gennadi Seleznew und grĂźndete die Bewegung Evrazija (deutsch âEurasienâ), die er später in eine Partei umwandelte, um als Teil des ParteienbĂźndnisses Rodina Wladimir Putin zu unterstĂźtzen. Dugin gehĂśrt zum politischen und wissenschaftlichen Establishment in Russland.cite-ref-minkenberg67-70-2[70]cite-ref-72[72]cite-ref-73[73]
In den 2000er-Jahren war ein Anstieg des latenten Rassismus, bei gleichzeitig steigender Zahl von Gewalttaten gegen Ausländer und Minderheiten, zu verzeichnen.cite-ref-thiem-71-1[71] Auch die Anzahl rassistisch motivierter Morde ist gestiegen.cite-ref-74[74] 2007 wurden 67 Menschen von Rechtsextremisten ermordet, weitere 550 zum Teil schwer verletzt.cite-ref-75[75] Nach Angaben der Organisation Sowa wurden im Jahr 2011 mindestens 20 Menschen und in den drei Jahren 2009 bis 2011 mindestens 155 Menschen durch autonome rechtsextreme Gruppen in Russland ermordet. Zu den Opfern zählen vor allem Kaukasier, Asiaten und Antifaschisten.cite-ref-76[76] Seit den 2010er-Jahren sind rechtsextreme Gewaltdelikte in Russland rĂźckläufig; aber dennoch ist die Gewaltbereitschaft innerhalb des russischen Rechtsextremismus nach wie vor sehr hoch. Im Jahr 2012 wurden 19 Menschen durch Neonazis getĂśtet und 178 verletzt.cite-ref-77[77] AuĂerdem kommt es im russischen FuĂball häufig zu rassistischen Vorfällen.cite-ref-78[78]
Jährlich finden am 4. November âRussische Märscheâ statt, auf denen Rechtsextremisten gegen die Ausländerpolitik demonstrieren.
Auf ca. 50.000 Personen wird die gewaltbereite rechtsextreme Szene in Russland geschätzt; Fremdenfeindlichkeit ist darßber hinaus in weiten Teilen der russischen Gesellschaft verbreitet.cite-ref-79[79]
Im Russisch-Ukrainischen Krieg standen Anhänger der von Russland unterstĂźtzten sogenannten âVolksrepublik Donezkâ in enger Verbindung mit der neonazistischen Partei Russische Nationale Einheit unter der FĂźhrung von Alexander Barkaschow, die aktiv Kämpfer fĂźr die prorussischen Milizen anwirbt.cite-ref-80[80]cite-ref-81[81] Auch sollen SĂśldner der Gruppe Wagner fĂźr die russische Seite im Einsatz seincite-ref-blz-82-0[82]cite-ref-times-83-0[83] â ein privates russisches Militärunternehmen, das von dem Neonazi Dmitri Utkin gegrĂźndet wurde und wegen âschwerer MenschenrechtsverstĂśĂeâ auf einer Sanktionsliste der EU steht.cite-ref-84[84] Die Aufgabe der 400 Mann starken Miliz soll die Ermordung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj sein.cite-ref-blz-82-1[82]cite-ref-times-83-1[83] Während seiner Stationierung in Luhansk im Rahmen seines Einsatzes im russisch-ukrainischen Krieg bestand Utkin darauf, dass seine private Einheit Helme trägt, die den Helmen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg nachempfunden sind.cite-ref-85[85]cite-ref-86[86] Utkin trägt Siegrunen der Schutzstaffel (SS) als Tätowierungen.cite-ref-87[87]
Schweden
Schon im Zweiten Weltkrieg lieferte Schweden, trotz offizieller Neutralität, Eisenerz fßr die deutsche Wehrmacht. Schwedische Nationalsozialisten hatten bereits Listen fßr den Fall einer Machtergreifung bereit. Lange Zeit war der Umgang mit Neonazis teilweise halbherzig bis fahrlässig, erst seit kurzem wird die Szene wirklich ernst genommen.
Am 12. Mai 1951 fand in MalmĂś der erste âeuropäische Nationalkongressâ statt. 60 Delegierte aus zehn Nationen berieten Ăźber die Bildung eines europäischen rechtsextremen Netzwerkes sowie Ăźber die Kultivierung der SS-Europa-Idee.cite-ref-anne-schmidt-88-0[88]
Wie die Gesetze der meisten skandinavischen Länder gewährt auch das schwedische Strafrecht eine sehr weitreichende Pressefreiheit. Das macht diese Länder zu einem BrĂźckenkopf des Vertriebes von Propagandamaterial sowie zum Aufmarschgebiet der Neonazis an ihren traditionellen âGedenktagenâ. So wird das Delikt der Volksverhetzung in Schweden durchschnittlich mit drei Monaten auf Bewährung bestraft; Gefängnisstrafen oder Strafen von bis zu einem Jahr â die in der deutschen Justiz gängige Eingangsforderung â werden kaum verhängt. Das resultiert auch aus einer langen Tradition der Verharmlosung rechtsradikaler Gewalt in Schweden: So wurden zum Beispiel 30 besonders aggressive Neonazis als ResozialisierungsmaĂnahme fĂźr einige Wochen in eine Eliteeinheit des schwedischen Militärs geschickt, um sie sich âaustobenâ zu lassen, so der Hintergedanke. In Wahrheit erhielten die Kriminellen eine kostenlose Waffenausbildung. Einer der FĂźhrer der Neonaziszene, Erik BlĂźcher, bekam wegen des Verkaufs rassistischer Tonträger eine Gefängnisstrafe von drei Monaten, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde. BegrĂźndung: Es sei von einem einmaligen Vergehen seitens des Angeklagten auszugehen. Sein Partner, der Deutsche Marcel Schilf, leitet den Vertrieb der Blood and Honour, NS-Records. Von Helsingborg aus organisieren die beiden Schwedens Neonaziszene. Diese besteht laut Schätzungen im Kern aus hĂśchstens 600 Personen â eine kleine, aber aktive Szene, die fast ausschlieĂlich der in Deutschland verbotenen Blood-and-Honour-Bewegung zuzuordnen ist. Ihr ist auch mit Aussteigerprogrammen nur schwer beizukommen.
Die radikale Rechte in Schweden genieĂt mit ihrer effektiven, weil weitgehend ungestĂśrten Propagandaproduktion â CDs, BĂźcher wie Die AuschwitzlĂźge des erst kĂźrzlich in Dänemark verstorbenen MitbegrĂźnders der deutschen Neonaziszene Thies Christophersen und andere Devotionalien werden von BlĂźcher und Schilf europaweit vertrieben â und mit ihren brutalen Morden und Mordanschlägen (allein 1999 drei Tote; bei einem Briefbombenanschlag wurden zwei Journalisten und ein Kind verletzt) europaweiten âRespektâ unter Gleichgesinnten.
Mittlerweile rßcken neben Ausländern, Homosexuellen und Antifaschisten auch zunehmend staatstragende PersÜnlichkeiten in das Visier der Neonazi-Szene: 1998 erhielt Schwedens Justizministerin eine Briefbombe, die jedoch nicht explodierte.
Spanien
In Spanien existiert zwar eine staatliche Beobachtungsstelle gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, allerdings werden bislang keine offiziellen Statistiken Ăźber rechtsextreme oder rassistische Gewalt- und Straftaten gefĂźhrt.cite-ref-89[89] Organisationen wie der spanische âMovimiento contra la Intoleranciaâ (Bewegung gegen die Intoleranz) schätzen die Zahl der jährlichen rassistischen Ăbergriffe auf 4.000. In den Medien wird davon ausgegangen, dass sich die Zahl der organisierten Rechtsextremisten zwischen 11.000 und 15.000 bewegt. Die extreme Rechte kann an die Traditionen der Franco-Diktatur anknĂźpfen.cite-ref-buettner-90-0[90]
Bis zu Francisco Francos Tod 1975 konnten flĂźchtige Nationalsozialisten und später auch Neonazis, wie Otto Skorzeny, in Spanien Zuflucht finden. Auch danach wurden rechtskräftig verurteilte Altnazis, Rechtsextremisten und Holocaustleugner, wie der in Deutschland zu 22 Monaten Haft verurteilte ehemalige Offizier der Wehrmacht Otto Ernst Remer oder LĂŠon Degrelle, nicht ausgeliefert. MaĂgebliche Stellen des franquistischen Staats, der Nationalrat, der KĂśnigliche Rat und die Cortes, blieben zunächst weiterhin durch Franquisten besetzt, was eine Aufarbeitung der Franco-Diktatur nachhaltig verzĂśgerte. Ende der 1970er Jahre kam es zu rechten Terrorakten. So kam es zu Bombenattentaten vermutlich rechtsgerichteter Kräfte gegen Carlisten des Partido Carlista (PC) auf dem Montejurra und 1977 zum Blutbad von Atocha. Die Aufarbeitung der Vergangenheit findet intensiv erst seit etwa 2000 statt. Die Beseitigung von Ăberresten der Diktatur lĂśst immer wieder revisionistische Abwehrhaltungen aus.cite-ref-91[91]
Franquisten und Neofalangisten sind auch heute noch aktiv. So organisierten sie Demonstrationen gegen die Enteignung des Besitzes der untergetauchten Mitglieder der Neonazi-Gruppe âInternational Third Positionâ, die in dem Dorf Los Pedriches nahe Valencia drei Gebäude besitzt und eines zur Miete nutzte.cite-ref-92[92] Als rechtsextrem gilt u. a. der 1965 gegrĂźndete CEDADE (CĂrculo EspaĂąol de Amigos de Europa, âSpanischer Kreis von Freunden Europasâ), der sich mit rechtsextremen Gruppen in ganz Europa vernetzt hat. Als rechtsextreme Partei gelten die Plataforma per Catalunya, Alianza Nacional, Falange AutĂŠntica und Democracia Nacional.
Eines der sozialen Probleme Spaniens, die illegale Einwanderung, wird wiederholt von Rechtsextremisten fßr ihre Zwecke instrumentalisiert. Vor allem in der Region Andalusien kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Am 5. Februar 2000 kam es zu einem dreitägigen Pogrom gegen marokkanische Gastarbeiter in El Ejido. Einheimische brannten insgesamt 500 marokkanische Behausungen nieder und zerstÜrten deren Geschäfte. Auch das Bßro der spanischen Frauenorganisation Mujeres Progresistas, die sich um die illegalen Arbeiter kßmmert, wurde angegriffen. Die BehÜrden griffen erst nach zwei Tagen ein.cite-ref-93[93]
Probleme mit Rechtsextremismus gibt es im spanischen FuĂball. Einige Fanclubs werden von Rechtsextremisten dominiert. Im Dezember 1998 starb Aitor Zabaleta als Opfer rassistischer Gewalt eines FuĂballanhängers. 2004 und 2005 gab es anhaltend motivierte rassistische Gewalt in FuĂballstadien.cite-ref-buettner-90-1[90]
Verleger wie Pedro Varela Geiss publizieren Texte von Neonazis aus ganz Europa, darunter den Autor der AuschwitzlĂźge, Thies Christophersen, und die Ăsterreicher Gerd Honsik und Walter Ochsenberger. Varela wurde als erster hochrangiger Nazi in Spanien Anfang 1999 wegen Aufstachelung zum Rassenhass zu fĂźnf Jahren Gefängnis verurteilt. Nachdem Varela klagte, fällt das Leugnen des Holocaust seit 2007 nun unter die Meinungsfreiheit. Das Strafgesetzbuch, das bis dahin fĂźr dieses Vergehen eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vorsah, musste geändert werden.cite-ref-94[94]
Ungarn
Ungarn verlor nach dem Ersten Weltkrieg 71 Prozent seines Gebiets und 64 Prozent seiner BevĂślkerung. Ein Drittel der heute ca. 15 Millionen europäischen Magyaren lebt auĂerhalb der Landesgrenzen, vorwiegend in Rumänien und der Slowakei, andere in Serbien, Ukraine, Slowenien, Kroatien und Ăsterreich. Diese Teilung des Landes, die durch den Vertrag von Trianon 1920 bestätigt wurde, ist fĂźr die Ungarn heute noch eine ânationale Schmachâ. Vor allem seit dem Ende des Kommunismus treten verschiedene Gruppen und Parteien sowie auch Politiker der groĂen Parteien mit revisionistischen und nationalistischen Parolen gegen die Nachbarländer und nicht selten antisemitischen Ausfällen hervor.
Das Land war in den 1990er Jahren neben Deutschland eine Hochburg rechtsextremen Wirkens in Mitteleuropa. Dort wurden Waffen und illegales Propagandamaterial international gehandelt, es wurden Neonazikonzerte, Hundekämpfe und Wehrsportcamps abgehalten. Die wichtigste politisch anerkannte und zugelassene rechtsextreme Partei war die MIĂP (Partei fĂźr ungarische Gerechtigkeit und Leben), die von 1998 bis 2002 im Parlament vertreten war. Bei der Wahl 2006 bekamen MIĂP und ihre Partnerpartei Jobbik (Der Name ist eine ungarische Polysemie und bedeutet gleichzeitig in etwa Die Rechten und Besser) zusammen 2,9 % der Stimmen. Sie zogen somit nicht ins Parlament ein. Am 25. August 2007 wurde aus der Partei Jobbik heraus die paramilitärische Magyar GĂĄrda (Ungarische Garde) gegrĂźndet. Diese gibt sich als nationaler, karitativer Verein. Ihr Auftreten in Uniform und Armbinde ist eindeutig nationalsozialistisch geprägt.cite-ref-95[95] Bei den Wahlen im April 2010 erhielt die Jobbik 12,2 % der Stimmen und wurde damit die zweitstärkste Fraktion.
Schon vor der Wende von 1989 gab es Verbindungen zwischen ungarischen und ostdeutschen Neonazis. FĂźr deutsche Neonazis war Ungarn ein Urlaubsziel. Sie konnten dort preiswert und legal nazistische Symbole als Tattoos erwerben. In den vergangenen Jahren richtete sich die rechtsextreme Szene vor allem gegen die Roma-Minderheit und gegen Homosexuelle. Seit 2007 wird die Gay-Pride-Parade durch Budapest von Rechtsextremisten gewaltsam gestĂśrt.cite-ref-96[96]
Ungarn ist nach Bulgarien das Land mit der hÜchsten Empfänglichkeit fßr Rechtsextremismus. Von 2003 bis 2009 hat sich der Anteil der BevÜlkerung, der sich dafßr ausspricht, verdoppelt.cite-ref-97[97]
Europa
Ein vertraulicher Lagebericht der Polizeiagentur Europol spricht im September 2019 von der Zunahme rechtsextremer Gewalt und internationaler Vernetzung in Europa. Demzufolge sei die Zahl der Verhaftungen im Zusammenhang mit rechtem Terror in Europa in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich und signifikant gestiegen (2016: 12, 2017: 20, 2018: 44 Verhaftungen). Signale seien u. a. die Morde an Walter Lßbcke und an der britischen Politikerin Jo Cox. Letztere Gewalttat steht in Verbindung mit Aktivitäten im Themenfeld Brexit. Rechtsradikale Gruppen versuchen demnach, Mitglieder aus Militär und SicherheitsbehÜrden anzuwerben. Als Objekte des rechten Terrors werden Asylbewerber, Muslime, Politiker, politische Gegner aus dem linken Spektrum und sexuelle Minderheiten genannt. Das Thema steht Anfang Oktober 2019 auch auf der Tagesordnung der EU-Innen- und Justizministerkonferenz.cite-ref-98[98]cite-ref-99[99]
Vereinigte Staaten
In den 1960er Jahren war die American Nazi Party (ANP) von grĂśĂerer Bedeutung. Bis heute aktiv ist die National Alliance (NA). Auch der Ku-Klux-Klan ist heute noch vor allem in den SĂźdstaaten aktiv. Die fundamentalistische Organisation richtet sich insbesondere gegen Afroamerikaner, Juden und Katholiken. Daneben gibt es die der NSDAP/AO nachempfundene NSDAP-Aufbauorganisation von Gary âGerhardâ Lauck. In den USA werden aufgrund des dort besonders ausgeprägten Rechts auf Freiheit der MeinungsäuĂerung Menschen, die NS- und sonstiges rechtsextremes Gedankengut verbreiten, nicht rechtlich verfolgt.
Die mit der Militia-Bewegung sympathisierenden Terry Nichols und Timothy McVeigh verßbten am 19. April 1995 einen Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City. Bei diesem bis zum 11. September 2001 schwersten Terroranschlag in der Geschichte der Vereinigten Staaten wurden 168 Menschen getÜtet. Beide Täter wurden mittlerweile verurteilt, McVeigh wurde hingerichtet. Der Hintergrund des Anschlages gilt als multikausal, rechtsextreme Motive werden nicht ausgeschlossen.
Das Southern Poverty Law Center schätzt in seinem Jahresbericht, dass die Anzahl der rechtsradikalen Gruppen 2008 um ßber vier Prozent gestiegen ist. Die Gesamtzahl solcher Gruppen beziffert es auf 926.cite-ref-spon-619546-100-0[100]
Am 7. April 2009 gab das Department of Homeland Security in Koordination mit dem Federal Bureau of Investigation ein nur zum Dienstgebrauch bestimmtes Memorandum Ăźber Rechtsextremismus heraus.cite-ref-101[101] Da es in diesem Zusammenhang amerikanische Veteranen erwähnte, kam es zu einer Ăśffentlichen Kontroverse,cite-ref-102[102] aufgrund deren United States Secretary of Homeland Security Janet Napolitano eine offizielle Stellungnahme verĂśffentlichte.cite-ref-103[103] SchlieĂlich kĂźndigte Napolitano im Mai 2009 an, das Memorandum von den Webseiten des DHS entfernen und durch einen präziseren Bericht ersetzen zu lassen.cite-ref-104[104]
Kurzßbersicht ßber weitere Länder
Historische Besonderheiten
| Land | Historische Besonderheiten |
|---|---|
| Albanien | Rechtsextremisten in Albanien streben ein ethnisch homogenes GroĂalbanien an. Dazu gehĂśren Teile Makedoniens und Griechenlands . Von einer extremen Minderheitsposition ist hier nur bedingt auszugehen, da Teile der albanischen BevĂślkerung diese Ziele begrĂźĂen und sich zumindest die Vereinigung mit dem Kosovo wĂźnschen. |
| Baltikum | Rechtsextremisten sehen zuvorderst in den russischen Revisionisten ihren Feind. |
| Bulgarien | In Bulgarien gibt es eine traditionalistische rechtsextreme Bewegung, die an die faschistischen Unterstßtzer Hitlers anknßpft. Der jährliche Lukow-Marsch im Februar, zu Ehren Christo Lukows , ist in den letzten Jahren ein Anziehungspunkt fßr Neonazis aus ganz Europa geworden. [ 105 ] |
| Dänemark | In Dänemark werden durch die liberale Gesetzgebung rechtsextremer Betätigung kaum juristische Schranken gesetzt. So fanden in den letzten Jahren grĂśĂere Kundgebungen der europäischen Rechten, wie zum Beispiel die Rudolf-HeĂ-Gedenkmärsche, in Dänemark statt. Die dänische NS-Bewegung wird von ihren Gegnern als âNullitätâ verspottet, die Aktivisten geben als Hauptziel die ausländischen Propagandisten an. |
| Griechenland | Von 1967 bis 1974 Ăźbernahmen rechtsextreme Offiziere unter Georgios Papadopoulos durch den Obristenputsch die Macht in Griechenland und errichtete eine Militärdiktatur . Neben der, von der Friedrich-Ebert-Stiftung als rechtsextrem eingestuften, Partei Laikos Orthodoxos Synagermos gibt es eine Vielzahl von Splittergruppen mit rechtsextremem bis faschistischem Hintergrund. Im Zuge der Finanzkrise verzeichnete insbesondere die Chrysi Avgi groĂen Zulauf. [ 106 ] |
| Irland | In Irland und Nordirland gibt es einen sehr ambivalenten Nationalismus, der sich von links nach rechts durch das Parteienspektrum und die politischen Kampfgruppen zieht. Rechtsradikale Positionen lassen sich z. B. bei den loyalistischen Terrororganisationen UVF und LVF feststellen. Die republikanischen Kampfgruppen wie die IRA oder die INLA verfolgen aber, trotz des stark ausgeprägten Nationalismus, sozialistische Ziele. |
| Israel | Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten jĂźdische Rechtsextremisten die VersĂśhnung mit Deutschland zu verhindern und lehnten deshalb deutsche Wiedergutmachungsleistungen ab. So versuchten Aktivisten der Irgun 1952 Konrad Adenauer durch eine Paketbombe zu ermorden. Heutzutage richten sich die Aktionen (jĂźdischer) Rechtsextremisten in Israel meistens gegen die Verständigungspolitik mit den Palästinensern. Es werden territoriale AnsprĂźche erhoben. Teile der jĂźdischen Siedlerbewegung sind rechtsextrem beeinflusst. Als rechtsextrem gelten die Parteien Eretz Jisraâel Shelanu und Otzma LeJisraâel sowie die Untergrundorganisationen Kach und Kahane Chai . Zu den Anschlägen, die Rechtsextremisten in Israel verĂźbten, gehĂśren u. a. das Massaker des Baruch Goldstein 1994, die Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin durch Jigal Amir 1995, die SchieĂerei von Schefarâam durch Eden Natan-Zada 2005 wie auch ein Anschlag im westjordanischen Dorf Duma 2015. [ 107 ] |
| Japan | Hauptartikel: Uyoku ( jap. ĺłçżź, deutsch âRechter FlĂźgelâ) ist ein Oberbegriff fĂźr die politische extreme Rechte in Japan , deren knapp hunderttausend Aktivisten und mehrere hundert Gruppen ebenfalls mit diesem Begriff bezeichnet werden. Etwa 800 dieser Gruppen sind organisiert im Dachverband Alljapanische Konferenz Patriotischer Verbände , die während ihrer Geschichte stark mit der Yakuza zusammenarbeitete. [ 108 ] [ 109 ] Synonym wird auch der Begriff Ultranationalismus (čś
ĺ˝ĺŽśä¸ťçžŠ, chĹ kokka shugi ) verwendet, um die Ideologie dieser Bewegung zu charakterisieren. |
| Jugoslawien (ehemals) | Im Zerfall des ehemaligen VielvĂślkerstaats Jugoslawien seit 1989 traten in allen Teilregionen Revanchismus und Nationalismus hervor. Sowohl die groĂen BevĂślkerungsgruppen der orthodox-slawischen Serben (âGroĂserbienâ-Ideologie u. a. von Slobodan MiloĹĄeviÄ ), Makedonier und Montenegriner , der katholischen Kroaten und Slowenen (hier aufgrund der friedlichen Trennung vom Rest Jugoslawiens und der guten Zusammenarbeit mit Ăsterreich und Italien relativ schwach ausgeprägt) und bosnischen und montenegrinischen Muslime als auch die albanischen und ungarischen Minderheiten verfĂźgen Ăźber starke nationalistische Gruppen und zum Teil Paramilitärs sowie eine nationalistisch gesinnte BevĂślkerung. |
| Kroatien | Die Regierung TuÄman in Kroatien wurde von Oppositionellen als erstes faschistisches Regime bezeichnet, das das postkommunistische Osteuropa hervorgebracht hat. Kroatische Rechtsextremisten ehren die Mitglieder der faschistischen Ustascha-Bewegung , die an der Seite Hitlers grausam gegen die Serben vorging, und pflegen gerade seit der Anerkennung Kroatiens durch Deutschland wieder enge Kontakte zur rechtsextremen Szene. |
| Luxemburg | Luxemburg ist von AngehĂśrigen fast aller europäischer Nationen besiedelt und besitzt keine rechtsextremen Parteien oder Gruppen. Allerdings gibt es immer mehr Menschen, zumeist Jugendliche, die sich nationalistischem Gedankengut anschlieĂen und zum Teil auch offen gegen den hohen Ausländeranteil protestieren. Bislang gab es jedoch keine Ausschreitungen. Zwischen 1987 und 1995 existierte in Luxemburg die rechtsextreme National-Bewegong um den Volkswirt Pierre Peters, die bei Wahlen erfolglos blieb. Der Initiative Wee2050 , die unter anderem fĂźr den Erhalt der luxemburgischen Sprache und gegen ĂźbermäĂiges BevĂślkerungswachstum durch Ausländer und âGrenzgängerâ eintritt und bei der Parlamentswahl 2018 in einem BĂźndnis mit der nationalkonservativen Alternativ Demokratesch Reformpartei antrat, wird teilweise eine mangelnde Distanzierung zu rechtsextremen Positionen vorgeworfen. In der Nacht auf den 1. März 2020 erfolgte ein Zugriff mit 60 Beamten auf ein Einfamilienhaus in Hauptstadtnähe; dabei wurde ein 18-Jähriger verhaftet, der verdächtigt wird, sich durch Propaganda im Darknet fanatisiert zu haben, und im Besitz von bombenfähigem Material gewesen sein kĂśnnte. [ 110 ] [ 111 ] [ 112 ] |
| Ăsterreich | Laut Auskunft des Bundesministeriums fĂźr Inneres geht vom Rechtsextremismus in Ăsterreich keine Gefahr fĂźr die Demokratie aus. Im europäischen Vergleich bewege sich der Rechtsextremismus in Ăsterreich auf niedrigem Niveau. Seit 2004 lässt sich jedoch ein verstärktes ZusammenrĂźcken innerhalb der rechtsextremen Szene erkennen. Als rechtsextremes Sammelbecken gilt die Arbeitsgemeinschaft fĂźr demokratische Politik (AFP) mit ihrer Jugendorganisation Bund freier Jugend (BfJ). Die rechtsextreme Skinheadszene zeichnet ein hohes Gewaltpotential aus. Es gibt Ăberschneidungen mit der gewaltbereiten Hooliganszene. In der Neonaziszene lässt sich ein Nachwuchsmangel erkennen, der existenzgefährdend fĂźr einige rechtsextreme Gruppen ist. [ 113 ] Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2007 |
| Portugal | Im Jahr 2006 stufte der portugiesische Geheimdienst Neonazis als âernstzunehmende Bedrohung der nationalen Sicherheit des Landesâ ein. Insbesondere gehe die Gefahr von vermehrten Aufrufen zur Gewalt aus. [ 114 ] |
| Rumänien | Die Mehrheit der rumänischen Rechtsextremisten fordert ein GroĂrumänien, das auch Moldawien und die zur Ukraine gehĂśrende Nordbukowina und SĂźd-Bessarabien umfassen soll. |
| Schweiz | Rechtsextremismus in der Schweiz wird zumeist mit gewaltbereiten Neonazi -Skinheads assoziiert; fĂźr andere Gruppen wird die Bezeichnung national- oder rechtskonservativ verwendet. [ 115 ] |
| Serbien | Vor allem nationale Minderheiten sind Zielgruppe von Gewalttaten serbischer Rechtsextremisten. Diese zeichnen sich durch anti-europäische und antiwestliche Einstellungen aus. Ein Unterschied zu rechtsextremen Strukturen im Westen ist die Nähe serbischer Rechtsradikaler zur serbisch-orthodoxen Kirche , wobei einerseits kirchliche Mythologie und Symbole ßbernommen werden und andererseits Teile des Klerus mit den rechtsnationalistischen Ideen sympathisieren. [ 116 ] |
| Slowakei | In der Slowakei ist die rechtsextreme Bewegung traditionalistisch ausgerichtet und speist sich aus der Verehrung des Prälaten Jozef Tiso , der Präsident des von Hitler nach der Besetzung der Tschechoslowakei errichteten slowakischen Satellitenstaates war. In der Slowakei wurde immer wieder, zum Teil mit Erfolg, versucht, die Minderheiten in ihren Rechten einzuschränken und zu unterdrßcken. Historisches Feindbild liefert die ungarische Minderheit ab, da die Slowakei bis 1918 zum ungarischen KÜnigreich gehÜrte. [ 117 ] |
| Slowenien | Neben der (auch im Parlament vertretenen) Slowenischen Nationalen Partei SNS gibt es die Nationale Arbeitspartei NSD mit guten Kontakten ins rechtsextreme Milieu und als Organisation mit paramilitärischen Einheiten die Nationalsoziale Union Sloweniens NSZS. Ein beherrschendes Thema der slowenischen Rechtsextremen ist neben Ablehnung von Einwanderung, Hetze gegen Minderheiten und der Propagierung einer âReinhaltung Sloweniensâ vor allem Feindschaft gegenĂźber Ăsterreich, die sich insbesondere auf GebietsansprĂźche grĂźndet. Daneben spielen VorwĂźrfe an Ăsterreich wegen dessen angeblich antislowenischer Politik (auch gegenĂźber der slowenischen Minderheit) eine Rolle. |
| SĂźdafrika | Rechtsextreme Parteien gab es in SĂźdafrika vor allem unter dem Apartheids -Regime. Nach dessen Ende ist ihre Bedeutung jedoch stark gesunken. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung standen vor allem die Buren . |
| Tschechien | Das Oberste Verwaltungsgericht in BrĂźnn hat am 17. Februar 2010 die AuflĂśsung der rechtsextremen âDÄlnickĂĄ stranaâ (Arbeiterpartei, DS) angeordnet. [ 118 ] Vereinzelt kommt es zu Ăbergriffen auf Roma und Asylbewerber anderer Hautfarbe. FĂźr die rechtsextreme Szene stellt Tschechien einen Umschlagplatz fĂźr illegales Propagandamaterial und militärische AusrĂźstung dar. Des Weiteren ist es Austragungsort von Konzerten und Treffen der Szene. |
| Ukraine | Die ukrainischen Rechtsextremisten arbeiten mit Gleichgesinnten aus Moldawien und Georgien zusammen gegen die AnsprĂźche polnischer, russischer und rumänischer Nationalisten. Zu den wichtigen Akteuren der rechtsextremen Szene zählen die Partei Allukrainische Vereinigung âSwobodaâ sowie die paramilitärische Organisation und Partei Prawyj Sektor . Im Krieg in der Ukraine seit 2014 spielten oder spielen teilweise rechtsextreme Freiwilligenbataillone eine wichtige Rolle. Auch die populistische Radikale Partei Oleh Ljaschkos hatte Verbindungen zu Rechtsextremen, wird aber meist nicht als rechtsextrem eingeordnet. |
Parteien und Gruppen
â
Hauptartikel
:
Liste rechtsextremer Parteien und Organisationen
Protagonisten
| Land | Protagonisten |
|---|---|
| Belgien | LĂŠon Degrelle Karel Dillen Frank Vanhecke |
| Israel | Effi Eitam Meir Kahane Mike Guzovsky Baruch Marzel |
| Lettland | Joachim Siegerist (LNNK) |
| Slowakei | Jan Slota griff in seiner Zeit als Parteivorsitzender der SNS in seinen Reden faschistische Losungen und Begriffe auf |
| SĂźdafrika | Eugène TerreâBlanche |
| Ungarn | GĂĄbor Vona IstvĂĄn Csurka |
Siehe auch
Literatur
Allgemein
⢠Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus. Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-58737-9.
⢠Kai Arzheimer: Die Wähler der Extremen Rechten 1980â2002. VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-16065-8.
⢠Uwe Backes, Patrick Moreau (Hrsg.): The Extreme Right in Europe. Current Trends and Perspectives (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts fßr Totalitarismusforschung. Band 46). Vandenhoeck & Ruprecht, GÜttingen 2012, ISBN 978-3-525-36922-7.
⢠Gideon Botsch: Die extreme Rechte in der Bundesrepublik 1949 bis heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-23832-3.
⢠Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler: Rechtsextremismus der Mitte. Eine sozialpsychologische Gegenwartsdiagnose. Psychosozial-Verlag, GieĂen 2013, ISBN 978-3-8379-2294-3 (socialnet.de [abgerufen am 2. Dezember 2023] Rezension von Andreas Siegert).
⢠Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler (Hrsg.): Rechtsextremismus der Mitte und sekundärer Autoritarismus. Psychosozial-Verlag, GieĂen 2015, ISBN 978-3-8379-2490-9.
⢠Rainer Fromm: Rechtsextremismus in Thßringen. 2. Auflage. Schßren, Marburg 1993, ISBN 3-89472-082-4.
⢠Leo Roepert (Hrsg.): Kritische Theorie der extremen Rechten. Analysen im Anschluss an Adorno, Horkheimer und Co. Transcript, Bielefeld 2023, ISBN 978-3-8376-6292-4.
⢠Samuel Salzborn: Rechtsextremismus. Erscheinungsformen und Erklärungsansätze (= UTB. 4162). 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Nomos (UTB), Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8252-4476-7.
⢠Werner Seppmann: Der Schlaf der Vernunft. Mangroven-Verlag, Kassel 2025, ISBN 978-3-946946-23-6.
⢠Richard StÜss: Der rechte Rand Europas. Rechtsextremismus und Rechtskonservatismus bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 1979 bis 2024. Barbara Budrich, Opladen/Berlin/Toronto 2025, ISBN 978-3-8474-3129-9.
⢠Fabian Virchow, Alexander Häusler (Hrsg.): Handbuch Rechtsextremismus (= Edition Rechtsextremismus). Band 1: Analysen. Springer VS, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-18411-1.
Ideologie
⢠Uwe Backes (Hrsg.): Rechtsextreme Ideologien in Geschichte und Gegenwart (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts fßr Totalitarismusforschung. Bd. 23). BÜhlau, KÜln u. a. 2003, ISBN 3-412-03703-6.
⢠Peter Glanninger: Rassismus und Rechtsextremismus. Rassistische Argumentationsmuster und ihre historischen Entwicklungslinien (Mensch und Gesellschaft. Schriftenreihe fßr Sozialmedizin, Sozialpsychiatrie und medizinische Anthropologie, Bd. 16). Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-57501-7.
⢠Bente GieĂelmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, Fabian Virchow (Hrsg.): HandwĂśrterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe. Wochenschau Verlag, Schwalbach 2015, ISBN 978-3-7344-0155-8.
⢠Andreas Lienkamp: Zum Widerstand verpflichtet. Rechtsextremismus als Herausforderung fĂźr Christinnen und Christen. In: Herder Korrespondenz 63, 9/2009, S. 477â480 (online).
⢠Fabian Virchow: Gegen den Zivilismus. Internationale Beziehungen und Militär in den politischen Konzeptionen der extremen Rechten. VS Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-15007-3.
Parteien
⢠Henrik Steglich: RechtsauĂenparteien in Deutschland. Bedingungen ihres Erfolgs und Scheiterns (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts fĂźr Totalitarismusforschung. Bd. 39). Vandenhoeck & Ruprecht, GĂśttingen 2010, ISBN 978-3-525-36915-9.
Frauen und Rechtsextremismus
⢠Christel Eckart (Hrsg.): Sackgassen der Selbstbehauptung. Feministische Analysen zu Rechtsradikalismus und Gewalt. Jenior & Pressler, Kassel 1995.
⢠Ulrike Prokop: Mythen der Rechten â ihre Faszination fĂźr junge Frauen in der Adoleszenz, dargestellt an einem Gespräch von Franziska Tenner (PDF; 878 kB).
⢠Regina Weber: Rechtsextremistinnen. Zwischen Kindererziehung und nationalem Kampfauftrag. Metropol-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86331-075-2.
Heimat- und Naturschutz
⢠Oliver Geden: Rechte Ăkologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus. Elefanten-Press-Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-88520-576-9.
Internationale Vernetzungen
⢠Bundeskoordination Schule ohne Rassismus â Schule mit Courage (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft. 2010, ISBN 978-3-933247-50-6, S. 70.
⢠JĂłzsef Bayer: Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Ostmitteleuropa. In: Ăsterreichische Zeitschrift fĂźr Politikwissenschaft. Band 31, 2002, S. 265â280 (archive.org [PDF]).
⢠Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.): Neue Entwicklungen des Rechtsextremismus. Internationalisierung und Entdeckung der sozialen Frage. Berlin 2006, ISBN 3-89892-492-0 (fes.de [PDF; 945 kB]).
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Spanien
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Weblinks
Wiktionary: Rechtsextremismus
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikiquote: Rechtsextremismus
â Zitate
Wikinews: Rechtsextremismus
â in den Nachrichten
Allgemein
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⢠Bundeszentrale fßr politische Bildung, bpb.de: Dossier Rechtsextremismus
⢠Bayerischer Rundfunk, br.de: #rechtsaussen
⢠eofa-ausstellung.vvn-bda.de: Ausstellung Neofaschismus in Deutschland
⢠Informationsportal zur politischen Bildung, politische-bildung.de: Rechtsextremismus
⢠spiegel.de: Thema Rechtsextremismus
⢠Dokumentationsstelle Rechtsextremismus beim Landesarchiv Baden-Wßrttemberg mit Vierteljahreszeitschrift Rechts.Geschehen
Internationale Vernetzungen
⢠bpb.de: Internationale rechtsextreme Netzwerke
⢠kai-arzheimer.com: Rechtsextremismus in Westeuropa (Wissenschaftliche Texte, Präsentationen, Materialien und Links zu rechtsextremen Parteien und ihren Wählern in Westeuropa)
⢠Netzwerk fßr Osteuropa-Berichterstattung, n-ost.org/: Rechtsextremismus und Antisemitismus in Mittel-, Ost- und Sßdosteuropa
⢠projekt-entgrenzt.de: Transeuropäische Perspektiven auf die extreme Rechte
Einzelnachweise
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